{"id":4901,"date":"2026-01-31T15:18:19","date_gmt":"2026-01-31T15:18:19","guid":{"rendered":"https:\/\/glaswunder.eu\/?p=4901"},"modified":"2026-01-31T15:18:20","modified_gmt":"2026-01-31T15:18:20","slug":"folge-4-lauscha-und-das-glashandwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.glaswunder.eu\/en\/folge-4-lauscha-und-das-glashandwerk\/","title":{"rendered":"Folge 4: Lauscha und das Glashandwerk"},"content":{"rendered":"<p><br>Zusammen mit Michael Haberland &#8211; Glasbl\u00e4ser aus Lauscha &#8211; sprechen wir \u00fcber die Glasbl\u00e4serstadt Lauscha, die Geschichte des Christbaumschmucks und warum Lauscha eine lange Glashistorie hat. Michael gibt uns dabei eige Einblicke in seine pers\u00f6nliche Geschichte und die Glasbl\u00e4serbranche.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-spotify wp-block-embed-spotify wp-embed-aspect-21-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Spotify Embed: Episode 4: Lauscha und das Glashandwerk\" style=\"border-radius: 12px\" width=\"100%\" height=\"152\" frameborder=\"0\" allowfullscreen allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/open.spotify.com\/embed\/episode\/4KUqbN3orlT8uDuiKWIicQ?utm_source=oembed\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Transkript<\/summary>\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Willkommen bei GlasKlar, Episode 4. Heute zu Gast: Michael Haberland aus Lauscha, Glasbl\u00e4ser in vierter Generation. Es geht um einen Fund im Schuppen, Lauschaer Glasv\u00f6gel und die Frage, wie kommt man vom Kunstglas zum Christbaumschmuck. Viel Spa\u00df! Hallo und herzlich willkommen!<br><\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Hallo und herzlich willkommen zu glasklar. Wir haben Folge 4. Wir haben heute zu Gast den Michael Haberland aus Lauscha. Michael, sch\u00f6n, dass du da bist.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Danke, freue mich. Danke f\u00fcr die Einladung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Ja, wir haben dich eingeladen, weil du schon sehr lange im Christbaumkugelgesch\u00e4ft unterwegs bist. Wir arbeiten schon recht lange jetzt zusammen und du machst vieles von unserem Christbaumschmuck. Erz\u00e4hl doch mal ein bisschen von dir. Wie bist du zum Christbaumschmuck gekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ich bin zum Christbaumschmuck gekommen, klar, \u00fcber Lauschau. Ich wohne in Lauschau, bin in Lauschau gro\u00df geworden und habe eigentlich keinen Christbaumschmuck gelernt, sondern Kunstglasbl\u00e4ser zu DDR-Zeiten. Und ja, irgendwann kam die Wende. Ich habe meinen Beruf als Kunstglasbl\u00e4ser auch sehr geliebt, habe das nie bereut, aber nach der Wende, kurz nach der Wende, so wie in vielen anderen Branchen auch, gingen die Sachen, die ich bis dahin gemacht habe, \u00fcberhaupt nicht mehr auf dem kapitalistischen Markt, muss man ja sagen. Das waren massiv Glastiere und Hohlgl\u00e4ser, also Vasen, Schwenger und solche Sachen, die man sich, ich sage immer gerne, in die DDR-Schrankwand gestellt hat, wenn man sie bekommen hat. Aber nach der Wende ging das schlagartig nicht mehr und ich wollte, ich sage mal, ums Verrecken Glasbl\u00e4ser bleiben und meine Mutter hat gesagt, dass es so war, dass mein Opa und Uropa Christbaumschmuckbl\u00e4ser waren und die haben hantiert, gearbeitet mit Formen, mit Glasglasformen, Weihnachtsm\u00e4nner, Schneem\u00e4nner, V\u00f6gel, die man sich an den Baum klempste. Und ja, in der Wendezeit hat sie dann gesagt, jetzt aufh\u00f6ren oder hin und denk Glasbl\u00e4ser bleiben m\u00f6chtest. Wir<\/p>\n\n\n\n<p>schauen mal im Schuppen hinter dem Wohnhaus nach. Vielleicht finden wir da eine alte Kiste, wo noch die alten Formen drin sind. Und da standen die wahrscheinlich so 50, 60 Jahre rum. Wir haben sie gesucht und gefunden und dann habe ich mich reingest\u00fcrzt und probiert eben, Formen zu blasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>War es f\u00fcr dich schwer vom Glaskunstbereich umzuschwenken in den Christbaumschmuck, weil du ja viel damit Hohlglas in Form arbeitest?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Aus heutiger Sicht relativ. Es war relativ leicht, weil die Kunstbl\u00e4sersachen l\u00e4ngere Zeit ja, man arbeitet l\u00e4nger dran. Es sind schon, wei\u00df Gott, kniffligere. Ganz allgemein w\u00fcrde ich sagen ganz kniffligere Glasarbeiten und vor allem mit Massivglas zu arbeiten. Das hei\u00dft, wenn man dann so ein massives Glastier hinbekommt, dann hei\u00dft das noch lange nicht, dass es dann auch \u00fcberleben wird, wenn es abgek\u00fchlt ist. Glas ist auch immer spannungsbehaftet und aber der Umstieg? Ich will mal so sagen ich hatte die Form gefunden. Ich habe reingeguckt wie. Tja, ich wei\u00df nicht wie und was, aber meine Mutter wusste noch die Arbeitsschritte von meinem. Von ihrem Vater sozusagen. Und hat gesagt Pass auf, du brauchst jetzt eine Formzange, da wird das eingespannt. Dann m\u00fcssen wir sehen, wo man Glaskolben herbekommen und dann. Also ich kann es dir nicht zeigen, wie das aufgeblasen wird. Dann lassen wir mal den oder alten hier alten Glasbl\u00e4ser, den frage ich mal, der kam, der k\u00f6nnte vielleicht mal kommen und der kam dann auch. Ich glaube, es war eine halbe Stunde Crashkurs und der hat mir erstmal gezeigt, so gehen die V\u00f6gelchen. So, eine probieren wir mich mal und dann geht es los. Und dann. Ja, so ungef\u00e4hr war das<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Also eigentlich auch der Sprung ins kalte Wasser, so, ja, ich mache das jetzt mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Und das machst du mittlerweile ja auch super gut. Also wir sind jedenfalls mit deiner Arbeit jedes Mal super zufrieden. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir dein Paket aufmachen und die V\u00f6gelchen sehen. Du hast gerade erw\u00e4hnt, dein Urgro\u00dfvater und Gro\u00dfvater waren bereits Glasbl\u00e4ser. Wie war das f\u00fcr dich, in diese Tradition reinzuwachsen? Gab es f\u00fcr dich auch mal die Perspektive, was anderes zu machen? Oder war das f\u00fcr dich eigentlich von klein auf klar, dass du auch Glasbl\u00e4ser wirst?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Also mir wurde erst sp\u00e4ter klar, wie ich schon sagte, dass meine beiden Vorfahren in der Branche auch schon unterwegs war. Bei mir war es speziell so Ich muss vier Jahre alt gewesen sein und habe in einem Betrieb, in dem meine Mutter in einem Glasbetrieb in Lauscha und dem meine Mutter war als B\u00fcrokraft einen Schreibtisch gesehen, von<\/p>\n\n\n\n<p>ihrem Chef. Und da stand ein durchsichtiges Glastier drauf, etwas br\u00e4unlich. Und dann habe ich sp\u00e4ter meine Mutter gefragt: Was ist denn das? Das ist ja total verr\u00fcckt. Ja, das w\u00e4re ein Glaselefant. Ich habe gesagt Wieso gibt es den Glaselefanten? Da hat sie gesagt, in dieser Firma wird das gemacht. Und wenn du es mal sehen m\u00f6chtest, dann hat mir das meine Mutter dann in der Firma gezeigt. Ja, wie gesagt, ich war vier oder f\u00fcnf, aber seit dem Glaselefanten wusste ich, dass ich. Also so was m\u00f6chte ich machen. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Und dann haben wir uns ja mehr oder weniger kennengelernt \u00fcber Taleka. Die sitzt ja hier auch noch mit am Tisch heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Takeka:<br>Jein. Also eigentlich ist der Kontakt entstanden, weil unser Nachbar Lukas dich in den Biergarten entf\u00fchrt hat. Wo Lukas und deine Tochter Clarissa, die sind ja Arbeitskollegen gewesen. Und da habt ihr beide euch unterhalten. Und da meinte Clarissa Ja, du, geh mal! Ruf mal meinen Papa an! Der mag Leute, die im Biergarten sitzen und Gesch\u00e4fte machen. Und dann habt ihr angerufen und dann hahaha.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Und dann hat irgendwie dein Telefon geklingelt. Erz\u00e4hl doch mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Meine Tochter Clarissa hat irgendwie &#8217;n Gespr\u00e4ch zwischen dir und jemand anders, die hat nur &#8217;n paar W\u00f6rter aufgeschnappt. Ich bin neu hier, ich will &#8217;n Glasgesch\u00e4ft machen und das reichte meiner Tochter. Und dann hat sie dir gesagt, also pass mal auf, wenn Du wirklich lauschauer Glas m\u00f6chtest, kenn ich da einen, das ist mein Vater. So, dann hat mich meine Tochter dar\u00fcber telefonisch informiert, die er hier in Coburg arbeitet lebt. Und dann hab ich gewartet bis zur Anruf, das hast du dann gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Was ging dir durch den Kopf, als Du mich am Telefon hattest?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Was was ging mir durch den Kopf? Du hast Du hast erst mal j\u00fcnger geklungen wie ich. Hast mir, glaub ich, gesagt, dass du gar nicht aus der Gegend bist, Berlin oder was? So, noch hab ich nix gegen Berlin, \u00fcberhaupt nix. Aber aus meiner Erfahrung wirklich rein gesch\u00e4ftlich in Berlin ist nicht so, da da geht Christbaumschmuck nicht so. Ich wei\u00df nicht, aus welchen Gr\u00fcnden, aber ja, du hast mir gesagt, Du bist da als Berliner, hab ich gedacht, okay. Vielleicht hab ich auch gedacht, Berlin kriegt jetzt noch eine Chance und komm ruhig her, was soll&#8217;s. Chemie hat aber gleich gepasst.<br>Dann hast du ja gesagt, hier f\u00fchlst du dich pudelwohl, ziehst dir her mit der Familie, willst auch noch Glas und Lauscherglas, warum warum soll man da die T\u00fcr von der Nase zuschlagen, ne? Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Ja war &#8217;n ganz lustiger Abend im Joseas Garten hier in in Coburg.<br>Mein Nachbar Lukas, der hat uns mitgeschleppt und ich war an dem Abend eigentlich relativ platt schon so vom Arbeitstag<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Entschuldigung, meine Clarissa kannte diesen Lukas oder was?<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ja, die waren Arbeitskollegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Die sind Arbeitskollegen wiederum.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka: Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Und der Lukas meinte zu mir, er geht mit Kollegen noch &#8217;n Bier trinken im Josias Garten und Fu\u00dfball l\u00e4uft und ob ich mich nicht anschlie\u00dfen will. Und ich war schon kurz davor, nein zu sagen und hab mich an dem Abend dann noch breitschlagen lassen. Und bin dann noch mit auf &#8217;n Bierchen und dann sa\u00df mir an auf der Bierbank deine Tochter gegen\u00fcber. Und dann, wie das halt so ist, man kommt dann ins ins Reden. Und ja, was machst Du denn? Ja, was machst Du denn? Und dann haben wir uns &#8217;n bisschen unterhalten und dann hat sie erz\u00e4hlt, nachdem ich erz\u00e4hlt hab, dass ich ein<\/p>\n\n\n\n<p>Christbaumkugelgesch\u00e4ft hier in Coburg aufmachen m\u00f6chte, dass ihr Papa ja Glasbl\u00e4ser ist und in Lauscha wohnt und daraufhin dann den Kontakt hergestellt hat<\/p>\n\n\n\n<p>Michael: Prima, also<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Klein ist die Welt und manchmal ist ein Besuch in Biergarten Empfehlenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Also wie bei Gebr\u00fcder Blattschuss, wer sich noch daran erinnert. Ich sag ja Wirtschaftspolitik, drum sitz ich hier, doppeldeutig.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Das ist sehr sch\u00f6n, dass ihr euch da so einig seid.<br>Ja, auf jeden Fall. Ja. Warum ist der Glasvogel eigentlich so in deiner Familie? Also es ist ja mit eins der Hauptfiguren, was ihr verkauft, oder? Wie kommt&#8217;s dazu, grade V\u00f6gelchen?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ja, das war das Ding von meinen Vorfahren, als ich damals einundneunzig, wie gesagt, diese Kiste geformt gefunden hab, Ich glaub, das waren so an die zweihundert oder zweihundertf\u00fcnfzig verschiedene Formen. Die meisten davon waren Vogelform. Dann hab ich schon mal meine Mutter gefragt und das war wohl das Hauptding, das sie gemacht haben und das war auch so, aber es waren auch Schneem\u00e4nner, Weihnachtsm\u00e4nner, andere Sachen mit dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und dann werd ich auch oft gefragt, warum eigentlich Vogel? Was hat der Vogel an dem Baum verloren? Also meines Wissens ist es einfach so, dass die meisten Leute denken, es ist jetzt Weihnachten, drau\u00dfen liegt Schnee, heutzutage nicht mehr so viel, aber man h\u00e4ngt sich dann die V\u00f6gelchen an den Baum und und ersehnt sich dann das Fr\u00fchjahr, wenn die V\u00f6gelchen wiederkommen. Das ist meines Wissens eigentlich die ganze Bedeutung<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ach witzig, das also wusste ich tats\u00e4chlich auch nicht. Hab ich auch wieder was dazu gelernt. Gibt es denn f\u00fcr dich andere Klassiker, also mal abgesehen von klassischer Christbaumkugel, wo Du sagst, das geh\u00f6rt auch noch in den Baum<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Aus meinem Sortiment, oder? Tja, das ist nicht, weil er zuf\u00e4lligerweise der gr\u00f6\u00dfte und der teuerste ist, aber &#8217;n richtig sch\u00f6ner, gro\u00dfer, aufwendig gemalter Weihnachtsmann, den man nicht nur h\u00e4ngen kann, sondern auch auf den Tisch stellen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Lass uns doch mal ein wenig \u00fcber die Stadt Lauscha an sich sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist ja da gro\u00df geworden und die Stadt Lauscha gilt als Wiege des Christbaumschmuck. Es ist \u00fcberall, wenn man durch Lauscha f\u00e4hrt, sieht man auch die gro\u00dfen Schilder Glasbl\u00e4ser statt Lauscha. Und ich find, das ist sie auch. Also mein Eindruck ist so, da in Lauscha gibt es das Glashandwerk und dar\u00fcber identifiziert sich auch die Stadt. Ist das aus deiner Sicht so?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Das ist Lauscha ist gleichzusetzen wie ich f\u00fcr mich wie mit Glasstadt und auch mit dem Publikum, das nach Lauscha kommt. Warum kommt&#8217;s nach Lauscha? Nicht nur, weil Lauscha sch\u00f6n ist, sondern weil&#8217;s wirklich erwiesenerma\u00dfen die Geburtsst\u00e4tte des gl\u00e4sernen Christbaumschmucks ist. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Kannst Du uns als Lauschner mal so die Geschichte erz\u00e4hlen, wie&#8217;s denn zum gl\u00e4sernen Christbaumschmuck kam?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael<br>Also da gibt&#8217;s die folgende Legende, dass, wie soll ich anfangen, Lauscher wurde gegr\u00fcndet f\u00fcnfzehn siebenundneunzig von M\u00fcller und Greiner. Das waren zwei aus dem Schwabenl\u00e4ndle, die waren auf der Suche nach einer Region in Deutschland, wo&#8217;s Holz, Sand und Wasser gibt zum Erbau einer Glash\u00fctte. Und als sie dann \u00fcbrigens vom Herzog Johann Kasimir von Coburg1597 die Lizenz bekommen haben, diese H\u00fctte zu bauen, dann ging es erstmal mit H\u00fctten geblasenen Glas los und es wurden Gl\u00e4ser des t\u00e4glichen Bedarfs, also Parf\u00fcmflaschen und Kr\u00fcge, hergestellt aus dem Ofen heraus, aus dem Glash\u00fcttenofen heraus. Und dann R\u00f6hren, kleine d\u00fcnne R\u00f6hren. Dann fing es an, da haben die ersten Glasbl\u00e4ser zu Hause kleinste d\u00fcnne Perlen, Glasperlen aufgeblasen. Und dann hei\u00dft es, irgendwann soll es den Glasbl\u00e4ser gegeben haben,<\/p>\n\n\n\n<p>also namentlich nicht bekannt, der aus Ermangelung an echten Fr\u00fcchten f\u00fcr Weihnachten, f\u00fcr einen Weihnachtsbaum, denn bis dahin hat man sich \u00c4pfel, Birnen, was man gerade hat, an den Baum geh\u00e4ngt, also echte, hat dieser Glasbl\u00e4ser gesagt: \u201eWenn wir schon das Geld nicht haben f\u00fcr die richtigen Fr\u00fcchte, dann mache ich mal einen Apfel aus Glas oder eine Birne und so weiter. Da gab es also eigentlich nicht die erste Weihnachtskugel, sondern die ersten Weihnachtsfr\u00fcchte. Dann hat der ziemlich bekannte Woolworth aus den USA davon Wind bekommen, denn er war schon \u00f6fters unterwegs nach Sonneberg, die nahegelegene Spielzeugstadt. Dann hat er davon geh\u00f6rt, geht nach Lauscha, hat sich diesen Glasbl\u00e4ser rausgepickt, so \u00e4hnlich muss es abgelaufen sein. Und dann hatte irgendwie dann sp\u00e4ter Lauscha den ersten, wahrscheinlich kleinen in Anf\u00fchrungsstrichen Auftrag, dass Woolworth erstmal das ausprobieren wollte von 200.000 Kugeln. Die gingen dann nach USA und dann hat sich das ein klein wenig rumgesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Also eine lange, lange Zeit. Ein Handwerk mit ganz, ganz viel Tradition. Das ist ja auch das Hauptthema unseres Podcasts eigentlich. Wie siehst du das? Wie hat sich das Glasblaserhandwerk vor allem in den letzten Jahren ver\u00e4ndert?<br>Ich habe so das Gef\u00fchl, dass diese Zeiten mit \u201eWohlwort kommt vorbei, zwanzigtausend Kugeln, das ist nicht mehr so.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael: Zweihunderttausend.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Zweihunderttausend Kugeln. Das ist heute anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Das ist heute anders. Ja, ich meine, ich muss ja nicht sagen, die Welt hat sich ver\u00e4ndert. Es gibt andere Produzenten. Die Ware, also Christbaumchmuck wird aus China importiert, aus Polen, Tschechien, \u00e4hm, und so weiter. Da spielt nat\u00fcrlich das Thema Billigkonkurrenz eine Rolle, aber eben nicht erst seit gestern. Und ich wei\u00df immer nicht, was man darauf sagen soll, aber wir k\u00e4mpfen weiter, die es noch gibt. Ich sage auch immer nicht, ich spreche nicht von Konkurrenz, wenn ich von meinen Glasbl\u00e4serfreunden, die auch selbstst\u00e4ndig sind, rede. Wir k\u00e4mpfen weiter und bisher ist es uns gelungen. Und wer nach Lauscha kommt, denn dann habe ich immer festgestellt, dann wollen die Leute eben nicht importierte Ware oder gar<\/p>\n\n\n\n<p>Maschinenware, sondern wollen das einmal sehen und da haben sie Gelegenheit bei mir und bei den anderen und, \u00e4hm, da ist immer ein kleiner Aha-Effekt dabei und dann sagen sie, um es einmal ganz scharf zu sagen: Manche h\u00e4ngen sich ja Plastik, seelenlosen Plastik-Dreck an den Baum. Und bei uns ist es eben nicht so. Man kann auch mal bei den Glasbl\u00e4sern probieren, selbst eine Kugel zu blasen. Alles andere als eine runde Glaskugel kommt dann zwar raus, aber sie wissen, wo der Hammer h\u00e4ngt. Das macht Laune, das macht Spa\u00df, das ist ein Erlebnis. Und die meisten gehen nach Hause und haben dann das Original am Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ja, wo du es ansprichst, also bei dir auch, kann man ja auch zugucken- -w\u00e4hrend du aufbl\u00e4st. Wir haben ja auch eine kleine Schauwerkstatt. Wie war denn dein erster Gedanke, als du gesagt oder geh\u00f6rt hast: \u201eWir machen in Coburg einen Laden auf, so mit: \u201eWir blasen dann auch mal mit der Kundschaft ein paar Kugeln auf, zumal du ja wei\u00dft, dass weder Dennis noch ich eigentlich das Fachhandwerk daf\u00fcr k\u00f6nnen<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Gib es zu, du hast gedacht, die sind doch total Panne.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Nee, nee. Ich war damals 91, als ich angefangen habe, war ich wahrscheinlich a total panne. Ja gut, ich war wenigstens Kunstglasbl\u00e4ser, war 21, aber, pff, ich habe schnell gemerkt, dass ihr nicht nur, den gro\u00dfen Mund habt, sondern ihr habt euch richtig reingekniet. Ihr wart ja auch nie zu scheu, jetzt noch mal den Haberland anzurufen oder andere: \u201eWas kann man da machen? Wie geht das? Und so weiter. Nein, warum tun wir es nicht versuchen?<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Da an dieser Stelle, das ist auch der Grund, weshalb wir dich eingeladen haben, weil wir dir auch sehr, sehr dankbar sind f\u00fcr deine Unterst\u00fctzung in den letzten zwei Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael: Okay<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Du hast uns auch in Lauscha und Umgebung ganz, ganz viele T\u00fcren aufgemacht.So willst du \u00fcberzeugen, geht das am besten \u00fcber einen Zeugen, so nach dem Motto: Danke noch mal an der Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ist ja viel zu viel des Lobes.Danke auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Gerade dieses Thema Konkurrenz aus Fernost.Du hast es schon mal ein st\u00fcckweit, angeschnitten gerade.\u00c4hm, wie gehst du mit diesem Thema um?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ja, wie ich schon sagte, das ist nicht ganz neu, das Problem. Was soll ich dazu sagen? Wie gesagt, &#8217;91 habe ich mich selbstst\u00e4ndig gemacht. Da gab es auch etliche H\u00fcrden zu nehmen, Gewerbeschein und \u00fcberhaupt eine Handwerkerkarte zu bekommen und, und, und. Und dann gab es nat\u00fcrlich auch damals, wie soll ich es vorsichtig ausdr\u00fccken, von einigen, die in Lauscha wurden, die bedenken: \u201eAch Gott, wenn der Haberland sich jetzt selbstst\u00e4ndig macht, wenn der andere da, der K\u00f6hler oder wie sie auch alle hei\u00dfen, sich selbstst\u00e4ndig macht. Konkurrenz f\u00fcr manche alteingesessene &#8222;Glasbl\u00e4ser. Und nicht weil ich die Weisheit mit L\u00f6ffeln gefressen habe, aber ich habe mir schon damals gedacht: Mensch, das Problem sind doch &#8211; d\u00fcrfen nicht wir untereinander sein, in Lauscha. Wir m\u00fcssen zusammenhalten. So, die Konkurrenz gab es auch schon damals und, war mir schon, es war auch schon absehbar, dass die immer besser, schneller und auch eventuell auch billiger produziert aber, oder ich sage es mal anders: Wenn heutzutage bei mir Kundschaft kommt und die wissen: aha, hier gibt es nur Formen, ich brauche aber noch Kugeln an dem Baum, dann sage ich: Gerne! Und da wei\u00df ich&#8217;s eben, wo ich sie hinschicke und eben nicht unbedingt ins Ausland, will ich mal sagen, sondern hast schon den Namen gesagt, zum Beispiel zu Rolf oder B\u00e4rbel. Da wei\u00df ich, die bekommen ordentliche Ware, sitzen auch in Lauscha, dann gibt es den einen oder anderen, der hat sich auf Spitzen spezialisiert und der Schock letzten Jahres, mit dem, mit der einzigen Firma, die uns die Rohlinge noch liefert, das muss man sich auch mal vorstellen, wenn man nicht den einen oder anderen den Auftrag auch g\u00f6nnt und vor allem, wenn&#8217;s auch nicht die Sachen sind, die man selbst unbedingt macht, dann geben die Glasbl\u00e4sereien eben dieser Firma, die Gott sei Dank wieder am Laufen ist, Auftr\u00e4ge.Und das kann eben verdammt jeder gut gebrauchen.So, und deswegen meine Einstellung und viele andere, der meisten m\u00f6chte ich behaupten, ist die: Wir schicken uns gegenseitig die Kunden zu und eben nicht woanders hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Was wir hier ganz, ganz oft h\u00f6ren, das Thema: K\u00f6nnen Sie das nicht einfach wieder dranschmelzen? \u00c4hm, mittlerweile habe ich genug Erfahrung durch deine Ratschl\u00e4ge und auch durch Anja, dass ich wei\u00df, dass vieles halt nicht so einfach geht, aber dass ich auch immer wieder spannend finde. Also ich hatte erst vor ein paar Tagen eine Kundin, die kam hier rein mit einer gebrochenen Christbaumspitze. Doppelspitze? Ja, da ist oben die Kugel ab. K\u00f6nnen wir die nicht mal wieder dran&#8230;Ja, ich habe ja einen Brenner stehen. Machen Sie doch mal wieder ganz.<\/p>\n\n\n\n<p>Da habe ich sie angeguckt und habe gesagt: \u00c4h, nee. Michael: Keine Chance.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Keine Chance. Das kann ich nicht mal kleben oder sonst irgendwas. Also das ist hin\u00fcber. Zumal dann auch noch Lack drauf war. Also ich habe sie sehr daf\u00fcr gelobt, dass sie auf das Thema Nachhaltigkeit steht und sagt: Ich repariere es lieber, wenn es m\u00f6glich ist. Wobei ich ihr dann halt auch den Zahn ziehen musste zu sagen: Das k\u00f6nnen wir nicht reparieren. War nat\u00fcrlich auch sehr traurig, weil dann nat\u00fcrlich auch immer die Kunden mit Geschichte kommen und sagen: Na ja, aber die habe ich noch von meinen Eltern. Die ist aus Mitte der Sechziger. Wo man dann schon merkt, dass man viele Leute auch trifft in dem Bereich, die sagen: Ne, das habe ich noch von meinen Eltern, das habe ich noch von meinen Gro\u00dfeltern. Und da das Thema Nachhaltigkeit, finde ich pers\u00f6nlich, auch bei jungen Leuten wieder mehr Aufschwung nimmt, zu sagen: Ja, weg vom Plastik, weg von der CO2-Emission<\/p>\n\n\n\n<p>Michael: Find ich auch so, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka<br>Genau, da ist die Frage: Wie nimmst du das so wahr oben in Lauscha? Was kriegst du<\/p>\n\n\n\n<p>damit? Sind es vermehrt Junge oder sind es die Alteingesessenen, die halt das gute Traditionshandwerk noch zu sch\u00e4tzen wissen<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ja, ich kann das, ich kann das nachvollziehen. Der meist, der meiste Teil von, ich sag mal, Laufkundschaft, die mit Eltern, Gro\u00dfeltern oder kommt und es sind j\u00fcngere Leute dabei, die sind durchaus interessiert. Es gibt auch welche, oder Kleinstkinder: \u201eOh, jetzt m\u00fcssen die mit mir jetzt zum Glasbl\u00e4ser. Wie langweilig wird das dann?&#8220; Aber, also es ist wirklich so, wenn mal einmal &#8211; Also wenn&#8217;s den jungen Leuten oder kleinen Kindern so ging wie mir damals mit vier Jahren, wie ist der Glaselefant entstanden? Dann gehen die schon mit h\u00e4ngendem Kiefer manchmal raus. Und wenn sie dann selbst noch mal probiert haben und wie gesagt, es kommt nie eine Glaskugel raus, eine Banane oder eine Schnecke oder was wei\u00df ich, dann ist das ein kleines Abenteuer f\u00fcr die, f\u00fcr die Leute. Und die Leute verstehen dann wie, wie, wie sachte, dass man eben mit den alten Erbst\u00fccken von Mutter, Gro\u00dfmutter umgehen soll. Manche, manche sagen dann auch: \u201eAch Gott, ja, und das kann man gar nicht mehr reparieren. Na, da kommt das Zeug nicht mehr an den Baum.&#8220; Dann sage ich: \u201eSch\u00f6n, sch\u00f6n drauf aufpassen, es hat Jahrzehnte \u00fcberdauert.&#8220; Ja, es w\u00e4re schade drum. Taleka, jetzt f\u00e4llt mir ganz spontan jetzt noch mal was ein &#8211; zu dem Thema. Ich hatte &#8217;nen alten &#8211; Das war nicht mein Lehrmeister, sondern mein Mentor.<br>Da wird gesagt, geh mal zu dem alten Glaskl\u00e4ser hin, der so und so hei\u00dft. Bei mir war es der Theo Enders, das kann ich sagen. Lebt lange nicht mehr. Und von dem hat man sich auch, habe ich mir auch ein paar Sachen zeigen lassen. Und dann hat er mir einmal gesagt, Michel, eins musst du begreifen, das ist mit die Sache mit dem Glas, das ist nicht so wie bei einem jemandem, der Bilder malt, k\u00fcnstlerisch malt oder ein Bildhauer. All die Leute, die k\u00f6nnen den Pinsel mal weglegen, wenn sie Feierabend haben, einen schlechten Tag haben, Probleme mit der Frau oder da wird der Mei\u00dfel weggelegt von dem Steinmetz. Wir m\u00fcssen das anfangen und das Glas verzeiht dir nichts. Es geht ein Arbeitsschritt schief, dann kann man das gleich in die Tonne hauen. Und weiter geht es dann eben auch mit der Malerei. Also das, aber wie gesagt, das ist mir jetzt erst wieder eingefallen mit Theo.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Aber das ist ja auch die Kunst &#8211; Dinge herzustellen, die verdammt einfach aussehen. Aber genau das ist es ja. Es ist jahrelange \u00dcbung. Und wie du sagst, ne, wie viel da erst mal in die Tonne wandert, bis man das dann so hinkriegt. Das ist ja, ja eigentlich das, das Sch\u00f6ne an der Geschichte, ne, dass es halt eben nicht jeder machen kann, sondern dass es auch Leute gibt, die sagen: \u201eIch w\u00fcrd&#8217;s sehr gerne machen und einfach feststellen, es ist nicht mein Handwerksberuf.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ja, sch\u00f6n ist es dann vor allem, wenn man nach einem Dreivierteljahr merkt: \u201eAha jetzt wird&#8217;s auch mal langsam was.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Genau. Also das ist halt&#8230;Genau, das ist halt so, wie glaube ich, die wenigsten Meister sind bis jetzt vom Himmel gefallen. Vieles ist halt einfach \u00fcben, \u00fcben, \u00fcben<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Als ich und meine Kumpanis das gelernt haben &#8211; Wie viel da in die sogenannte Spie\u00dfkiste gewandert ist, das m\u00f6chte man gar nicht wissen. Und was sich diese Spie\u00dfkiste, wo das kaputte, nicht gelungene Glas rein geschmissen wird, das erste halbe, dreiviertel Jahr, was sich diese Spie\u00dfkiste f\u00fcr Schimpfw\u00f6rter anh\u00f6ren musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ja, aber wie du sagst, Glas ist eben nicht geduldig. Es wartet nicht. Wenn es einmal warm wird, musst du es verarbeiten. Dann hast du immer noch das Risiko, dann wenn es abk\u00fchlt, wie du es schon gesagt hast. Es sind ja doch die einen oder anderen Parallelen auch zu anderen Handwerken wie zum Beispiel zur Porzellan-und der Keramikmalung.<br>Also ich habe von vielen Malern auch geh\u00f6rt, dass die Christbaumschmuck-Veredelung nicht gelernt haben, sondern aus der Porzellan-und Keramikmalerei kommen, weil \u00e4hnliches Prinzip: Wenn da ein Pinselstrich falsch sitzt, ist der ganze Teller oder die ganze Suppenschale hin, weil das Korrigieren sieht man beim Brennen. Und das ist ja, der Lack trocknet ja auch innerhalb von Sekunden, l\u00e4sst sich ja in der Regel auch nicht mal eben wegwischen. Also es ist schon wirklich was, wo ich mir vorstellen kann, dass das auch sehr frustrierend sein kann, gerade f\u00fcr die, die anfangen, mit deiner Spie\u00dfkiste, dass es auch bei den Malern so ist. Wenn die, die, die Lehre anfangen und dann sitzen sie da und dann haben sie die aufgeblasenen Kugeln und der letzte Strich geht schief. Oder sie m\u00fcssen nie\u00dfen und der Pinsel geht einmal \u00fcber die Figur und dann ist die, ja, doch min\u00fctige Arbeit dann dahin, wenn nicht sogar stundenweise, je nach Aufwand nat\u00fcrlich. Spannendes Unterfang.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Was mich da interessiert, w\u00fcrde, ist aber, wenn diese Lernkurve, die du gerade beschrieben hast, gar nicht mal so leicht ist. Was w\u00fcrdest du denn einem jungen Menschen, der sich f\u00fcr eine Ausbildung im Glashandwerk interessiert, sagen: \u201eMach es, mach es nicht<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ich habe keine Verbindung zu den Auszubildenden in Lauscha. Nicht weil mich das nicht interessiert, aber ich komme nicht dazu, reibe mich ein bisschen getrennt. Aber es werden j\u00e4hrlich viele, ich glaube, f\u00fcnfzehn oder zwanzig Lehrlinge ausgebildet, junge Leute. Und was ich denen sagen m\u00f6chte oder sollte? Oh Gott. Haltet durch. Einfach haltet durch. Also ihr m\u00fcsst das m\u00f6gen. Ihr m\u00fcsst das m\u00f6gen. Na ja, klar, man muss sich immer im Leben \u00fcberlegen: Was f\u00fcr was bin ich geboren? Will ich G\u00e4rtner werden oder oder Maurer oder so? Aber, mein Gott, f\u00fcnf Daumen an eine Hand, dann wird es schwierig. Dann wird es klar.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Wir waren vorhin ja schon bei dem Beschreiben, wie sich die Branche in den letzten drei\u00dfig, vierzig Jahren ver\u00e4ndert hat. Wie siehst denn du die Zukunft f\u00fcr die Branche, vor allem f\u00fcr die jungen Leute, die jetzt nachkommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Wie gesagt, die m\u00fcssen durchhalten und die m\u00fcssen am Markt Nischen finden. Es reicht nicht mehr, wenn man sagt, ich kann jetzt eine Kugel blasen. Das muss schon was Raffiniertes sein. Und ja, Kundschaft suchen heutzutage&#8230; Ja gut, vielleicht ist es heutzutage auch wieder leichter wie damals f\u00fcr mich am Anfang. Da gab es noch kein Internet. Ich bin damals einfach, habe mich mit meiner Mutter in den Trabant gesetzt und wir durften im Westen fahren. Ja, so ist das gelaufen. Aber ja, das \u00e4h&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Das war halt eine andere Art der Recherche und der Kundenakquise.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Das war eine andere Zeit, genau, und eine andere Recherche. Ja, die m\u00fcssen sich einfach was Tolles \u00fcberlegen, immer was anderes machen als die anderen. Muss manchmal noch grundlegend nicht einmal was total anderes sein. Ich kann nur eins sagen, bei mir war auch mal ein Kunde. Ich sage nat\u00fcrlich keinen Name. Es war ein Lauscher und hat gesagt: \u201eGuck mal, hier habe ich einen Vogel. Diesen Vogel macht der und der. Kannst du mir den also machen?&#8220; Ich habe gesagt: \u201eJa, werde ich aber nicht.&#8220; \u201eWarum denn nicht?&#8220; Mir f\u00e4llt glatt was anderes ein, denn Klass gibt ja immer<\/p>\n\n\n\n<p>nicht hunderte, tausende M\u00f6glichkeiten. Wenn man mit Glimmer spielt, mit Farben, mit Formen, habe ich gesagt: \u201eDieses Spielchen mache ich nicht mit. Und das machen auch die anderen nicht mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Genau, ist auch eine gesunde Einstellung.\u00c4hm Andere zu kopieren und replizieren ist ja \u00e4hm einfach, ich sage mal, ein einfaches Unterfang, weil es ist nichts Weiteres als abmahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Man tut sich aber keinen Gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Genau, man tut sich keinen Gefallen und das ist auch nicht die feine Art und schr\u00e4nkt auch irgendwo die eigene Kreativit\u00e4t ein. Weil wie du sagst, Glas bietet so viele M\u00f6glichkeiten. Es ist transparent und dann f\u00e4ngt es an. Versilber ich es oder tauche ich es einfach nur? Ich finde das auch immer sehr spannend, wie unterschiedlich ein und der gleiche Lack aussehen kann auf einer Klarglaskugel, auf einer versilberten Kugel. Wenn man dann auch noch mit verschiedenem Glitzer spielt. Also ich habe \u00e4hm zum Beispiel auch eine gro\u00dfe Erfahrung f\u00fcr mich war, wie viele unterschiedliche Silbersorten es alleine gibt. Ich habe dann Silber mit Rot-und Gr\u00fcnpigmenten, ich habe einen Stahlsilber, ich habe ein Silber, was in so eine grau-gr\u00fcn richtung geht, wo man dann dasteht und sagt: \u201eJa, und jetzt entscheide ich mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Da muss ich jetzt sagen, da kenne ich bestimmt einiges auch noch nicht.Kannst du mir gerne mal zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ja, zeige ich die unten sehr, sehr gerne mal. Also ich habe gedacht, ich bestelle einfach mal im Netz halt Silber, Silberglitter damit wir die personalisierten Kugeln machen k\u00f6nnen. Mmm Und stand er dann, guckt das Silber an und sagt: \u201eJa, aber irgendwie ist das nicht so silbrig, wie ich mir das vorstelle. Mmm Bestell also ein zweites Mal Silber<\/p>\n\n\n\n<p>mhm und kriege wieder was, wo ich sage: \u201eJa, ist ganz nett, aber ist auch nicht das Silber, was ich mir vorstelle. Mmm Aber allein dieses spannende Unterfang, wie dann eine Farbe unterschiedlich ausschauen kann \u2013 und das Gleiche habe ich ja mit Glas auch. Genau Das ist so, dieses \u00e4hm Schwarz-Hochglanz hat eine ganz andere Wirkung als ein Schwarz-Matt-Ton, auch wenn das Pigment- Schwarz an sich das Gleiche ist. Sieht auch wieder anders aus, wenn die Kugel versilbert ist. Der schwarze Spahn \u00fcbrigens, den du mir auf Kundenwunsch angefertigt hast, der ist eingeschlagen wie eine Bombe. Die Dame stand mit Tr\u00e4nen in den Augen da.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Oh Gott, hoffentlich nicht Freudentr\u00e4nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Definitiv.Sie meinte, das ist genau so, wie sie sich es gew\u00fcnscht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Sehr sch\u00f6n.Freut mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Das sind halt einfach auch die Punkte, wo wir Gott sei Dank immer mehr Menschen kennenlernen d\u00fcrfen, die wirklich dieses Christbaumschmuckgesch\u00e4ft auch als Handwerk und als Kunst identifizieren und nicht als notwendiges \u00dcbel f\u00fcr den Christbaumschmuck, sondern wirklich sagen, ich gehe nach Lauscha, ich gehe auch zu Glaswunder und ich kaufe mir Lieblingsst\u00fccke. Heutzutage ist es, glaube ich, auch wieder der Trend, Nachhaltigkeit und vor allem in Deutschland hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ja, gebe ich dir recht. Und wenn ich ehrlich bin, ich w\u00fcrde sogar so weit gehen, dass ich habe da den einen oder anderen Kunden, man bekommt auch mal Bilder auch von USA aus den Gesch\u00e4ften, da liegt die Ware drin und da steht er Bei diesen Kunden steht aber dran: Made in Poland, made in Czechoslovakia, made in Germany, made in China. Ich will mal sagen, solange das der Verk\u00e4ufer so macht, dann kann ja jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden. Eine Plastikkugel kann gewiss auch ganz nett und sch\u00f6n<\/p>\n\n\n\n<p>aussehen, aber es darf auf keinen Fall passieren, dass eine Maschinenkugel als mundgeblasene angepriesen wird. Das ist der Moment, wo sich bei mir und meinen Kollegen die Nackenhaare aufstellen. Und deswegen geht bei mir keiner raus, wer eine Vorf\u00fchrung hat, geht bei mir raus und wei\u00df: \u201eAha, wie erkenne ich eine mundgeblasene Kugel? Da gibt es zwei Kriterien, die kann ich jetzt hier reinsprechen. Kein Mensch wird es kapieren. Die sollen nach Lauscha kommen oder hierher, dann kann man es zeigen, aber da geht keiner raus und wei\u00df dann nicht. Also die Leute wissen dann Bescheid<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Ich habe nur noch eine Frage. Was w\u00fcnschst du dir f\u00fcr die Glasbl\u00e4serei Aberland in der Zukunft?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ich bin jetzt 57 geworden. Ich m\u00f6chte und muss das noch ein paar J\u00e4hrchen machen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wenn dann es hei\u00dft, jetzt gehe ich in Rente, dass ich dann &#8230; Ich habe euch ja gesagt, wie das Ding hei\u00dft, das hei\u00dft nicht Glasblastisch, sondern das ist der Burg, der Blaseburg, dass ich dann am anderen Tag meinen Burg vor der T\u00fcr setze. Ich glaube, das kann man nicht einfach so lassen. Da werde ich weitermachen, was noch geht. Und wenn meine Tochter Sophia oder Clarissa oder beide da irgendwie eine Art an sich noch finden, dann stelle ich mir das h\u00f6chst romantisch vor, den beiden das mal ein bisschen nahezubringen. Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Dann bleibt das in der Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael<br>Ja, die haben aber ihren eigenen Weg und auch sch\u00f6ne Berufe. Aber wenn sie &#8230; Wie sagen die Bayern? \u201eNa, bisserl was geht immer. Wenn sie aber ein bisschen was rumdealen, sagen die Lauscher, die Glasbl\u00e4ser, immer, dann bin ich gern dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ich glaube, das ist auch so ein Beruf, den kann man nicht einfach so rentenalternd danke.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ich kenne. Keinen der alten Glasbl\u00e4ser, die als sie in Rente gegangen sind, das Ding, wie gesagt, vor die T\u00fcr gesetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Kann ich mir auch nicht vorstellen, weil das ist auch, glaube ich, ein Beruf, da hat man einfach Liebe f\u00fcr. Da hat man jahrelang auch hart f\u00fcr gearbeitet, hart f\u00fcr trainiert und sich ausprobiert, dann von jetzt auf gleich zu sagen: \u201eJa, danke War nett die letzten 30, 40 Jahre. Ich stelle dich jetzt vor die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Es macht mir einfach zu viel Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Genau, das ist es halt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es macht mir einfach zu viel Spa\u00df. Und daher &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Ja, ich glaube, in der Branche ist es ganz, ganz schwer, jemanden zu finden, der das nicht der Sache wegen macht. Wenn man irgendwo Geld verdienen will, da gibt es gen\u00fcgend andere Branchen, wo das viel, viel besser funktioniert. Die Glasbl\u00e4serbranche und auch der Handel mit dem Christbaumschmuck, das ist was, da haben wir, glaube ich, das ist die Sache, die wir teilen: Eine Leidenschaft f\u00fcr das Glas.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Und vor allem f\u00fcrs Handwerk. Wie sieht denn Weihnachten bei dir aus?Steht der Baum schon?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Der steht noch nicht. Der steht noch nicht. Ich sage mal, so aus privaten Gr\u00fcnden habe ich die letzte Zeit nicht mehr einen Weihnachtsbaum gemacht und Weihnachtskranz. Ein bisschen bescheidener. Die Kinder sind aus dem Haus. Aber das wird wieder kommen, dass ich mir wieder mal ein Br\u00fcmchen aufstelle oder einen richtigen Baum. Und das hei\u00dft nicht unbedingt, dass dann nur Sachen von mir dann kommen. Ich habe auch, wie gesagt, von meinen Freunden, Kollegen, Kugeln, die h\u00e4nge ich auch gerne dazwischen. Spitz mache ich auch nicht. Da gibt es noch andere Experten, aber das ist dann &#8230; Das wird dann sch\u00f6n wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Wir haben dich ja jetzt aus Lauscha hierher geholt. Sag uns doch mal, wo man dich findet, am besten mit Adresse und \u00d6ffnungszeiten, damit man dir auch mal einen Besuch in deiner Schauwerkstatt abspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ja, das sollen die Kunden sich in einem Biergarten in Koburg mit der Klawisser haben. Nein, Quatsch. In Lauscha, Kreuzstra\u00dfe 18. Lauscha kann man von Seiten von Steinach rein fahren oder von Seiten von Neuhaus. Aber wichtig ist, meine Glasbl\u00e4serei klingt auch wieder bl\u00f6d, aber die ist mit an der h\u00f6chsten Stelle von Lauscha. Das ist Ortsteil K\u00f6plein, kommt von der Kuppe. K\u00f6plein, Kreuzstra\u00dfe 18.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Perfekt.<br>Muss man sich bei dir vorher anmelden oder k\u00f6nnte man auch einfach sagen: \u201eMontag, zw\u00f6lf Uhr, ich stehe mal vor der T\u00fcr und winke durchs Fenster?<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Anrufen, telefonieren, E-Mail, das ist allemal besser, weil an und f\u00fcr sich habe ich nicht den Verkaufsladen an den Endkunden, sondern produzieren in der Hauptsache Leutchen wie euch, sch\u00f6ne Glasgesch\u00e4fte und Leute, die auf die Weihnachtsm\u00e4rkte gehen. Aber wenn dann private Anfragen kommen, einfach einen Termin ausmachen und da kann dann jeder seine Banane oder Schnecke aufblasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Oder halt auch mal gucken, was du so machst.Du hast mir, ich glaube, das erste Mal, als ich allein da war, hast du mir einen Schwan aufgeblasen und hast mir gezeigt, wie du das mit dem Schwan machst.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Da sind wir wieder bei dem Schwan.Jetzt werden die Leute denken, ich kann auch den Schwan aufblassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>V\u00f6gel, Schw\u00e4ne na ja, ist das alles irgendwie Gefl\u00fcgel?<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Dann, glaube ich, sind wir f\u00fcr heute am Ende.Michael, ich sage vielen lieben Dank, dass du da warst.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Ich auch.Vielen, vielen Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Ich sage es auch.Vielen, vielen Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis:<br>Und da wir die letzte Folge vor Weihnachten haben, auch an alle unsere H\u00f6rer ein frohes Weihnachtsfest. Wir verabschieden uns in die Weihnachtsfeiertage. Wir w\u00fcnschen euch allen zauberhafte Weihnachten. Kommt gut ins neue Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael:<br>Frohes Fest f\u00fcr alle da drau\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennis: Frohes Fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Taleka:<br>Und guten Rutsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Kunst zum Christbaumschmuck, von der Wirtschaftspolitik zur Partnerschaft, von Lauscha nach Coburg. Danke Michael, f\u00fcr die Einblicke in das Glasbl\u00e4serhandwerk. Frohe Weihnachten euch allen und bis zum n\u00e4chsten Jahr bei Glasklar.<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammen mit Michael Haberland &#8211; Glasbl\u00e4ser aus Lauscha &#8211; sprechen wir \u00fcber die Glasbl\u00e4serstadt Lauscha, die Geschichte des Christbaumschmucks und warum Lauscha eine lange Glashistorie hat. 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